Festungsarena Kufstein

Wandelbares Dach

2006 Kufstein / A

Bauherr / Stadtwerke Kufstein

Überdachung / 2.000 m²

Auszeichnungen / MSH Preis für Architektur 2008  / Verzinkerpreis 2009

 
Die Festung Kufstein, einst an einem natürlichem Engpaß am nördlichen Inntal auf einem steilen Dolomitenfelsen als Verteidigungsanlage errichtet, ist heute ein beliebter Anziehungspunkt zahlreicher Touristen. Nachdem Teile der historische Bausubstanz Mitte der 90er Jahre durch intensiven Bewuchs vom Verfall bedroht waren, wurde 1997 mit der Top City Kufstein eine privatrechtliche Gesellschaft zur „Belebung und Vermarktung“ der Festung gegründet. Neben der sukzessiven Restaurierung standen hierbei insbesondere der Gastronomiebetrieb und die Freiluftkonzerte in dem südlich vorgelagerten Festungshof der Josefsburg im Vordergrund.
Mit der Entwicklung zu immer hochwertigeren Veranstaltungen kam dem Aspekt der Wettersicherheit zunehmende Bedeutung zu. Bei schlechtem Wetter fielen einzelne Konzerte buchstäblich ins Wasser, andere kamen wegen des Finanzrisikos gar nicht erst zu Stande. So entstand der Gedanke, durch ein temporär auffahrbares Schutzdach einen möglichst großen Teil des Festungshofes wettersicher zu machen. Dabei waren strenge Anforderungen des Denkmalschutzes zu beachten, die keine Verankerungen in der historischen Bausubstanz erlaubten. Auch durfte das Erscheinungsbild der Festungsanlage durch die neue Konstruktion nicht beeinträchtigt werden. Um diesen Randbedingungen bestmöglich zu entsprechen, entwickelten die Planer ein filigranes, zentrisches Seiltragwerk, von dessen Zentrum eine Membran, vergleichbar einem überdimensionalen Regenschirm, aufgespannt werden kann. Diese wandelbare Überdachung ermöglicht es, bei schlechtem Wetter innerhalb von vier Minuten eine 2.000 m² große Fläche über dem gesamten Festungshof und einem Teil der Kasematten zu überspannen. Bei gutem Wetter wird die Membran im Zentrum zusammengefahren.
Das Tragwerk, an dem die Membrane aufgespannt bzw. zur Mitte gerafft werden kann, ähnelt einem liegenden Speichenrad von 52 m Durchmesser. Am äußeren Rand verläuft vergleichbar einer Felge auf 10 m Höhe über dem Festungshof ein aus 15 gleichen Segmenten zusammengesetzter, polygonförmiger Druckring. Der Druckring ist jeweils in den Polygonpunkten auf Stützen aufgelagert. Diese stehen am Rand vor den Kasematten der Josefsburg, bzw. vor den Festungsmauern. Innerhalb des Druckrings verlaufen in radialer Richtung 15 untere und 15 obere Speichenseile, die durch die Verspannung mittels vertikaler Hänger eine sichelförmige Form haben. Die oberen Speichenseile sind an den Stützenköpfen angeschlossen, die unteren an den Druckringknoten. Im Zentrum bilden sie eine Nabe. Das „Speichenrad” ist ein effizientes, in sich geschlossenes, hoch vorgespanntes Tragsystem, das bis auf die einwirkenden Windlasten nur Vertikalkräfte in den Baugrund einleitet. Da aus Denkmalschutzgründen keine Stützen auf die Kasematten aufgelagert werden durften, sind fünf der 15 Stützen als Luftstützen ausgebildet und über 30 sich kreuzende, unterhalb des Druckrings verlaufende Diagonalseile abgefangen. Auf dem Niveau der Luftstützenfußpunkte verläuft außen umlaufend ein Ringseil, das die durch die oberen Speichenseile auf die Stützenköpfe wirkenden Zugkräfte über Ausleger kurzschließt. Das Erscheinungsbild der Konstruktion wird im wesentlichen von den Stützen und dem umlaufenden Druckring geprägt. Die dünnen Seile treten optisch wenig in Erscheinung. Dem Betrachter entsteht so das Bild, einer über dem Festungshof schwebenden „Krone“.
 
Retractable roof / fortress Kufstein
In the narrow northern valley of the Inn the fortress of Kufstein had been erected as a defence fortification during the Middle Ages. Today it attracts a great amount of tourists. In the 1990’s, parts of the historic building structure were close to decay because of the overgrowing vegetation. Therefore in 1997 the “Top City Kufstein” was founded to reactivate the fort and put in on the market. Besides of the gradual restauration, the businesses food and open air events became established, especially in the southern courtyard of the Josefsburg.
Simultaneously, by the fact of having more and more high quality events, the risk for ticket cancellations grew because of unpredictable weather conditions: The result was financial loss. Therefore the idea of a mobile shelter arose, protecting the largest possible area of the courtyard. Further requirements were set by the officials for landmark sites not allowing any kind of anchorage into the existing fort. At the same time any new structure was not supposed to interfere with the visual appearance of the location. To comply with these facts, the designers developed a delicate, centrical cable structure. A membrane located in its center can be unfolded during bad weather conditions, similarly to a huge umbrella. Covering a 2,000 sqm area, the umbrella can be opened or closed within four minutes.
The load bearing structure for the membrane covers a circular floorplan, consisting at the outside of a polygonal pressure ring, akin to a 52 m diameter “bicycle wheel” and composed of 15 equal segments. In its nodal points the ring is supported by 15 columns, located at the borderline of the courtyard just in front of the casemates. Within the pressure ring, 15 upper and lower spoke cables are running in radial direction, connected by vertical wires to a crescent-shaped geometry. The upper spoke cables are fixed at the top end of the columns, the lower at the nodes of the pressure ring, composing a hub in its center. The bicycle wheel is an efficient, highly prestressed load bearing structure that besides of the wind load only brings vertical loads to the foundations. Because of the landmark site requirements not allowing the columns to be founded on the casemates, five of the 15 columns are constructed as floating columns, suspended by 30 crossing diagonal cables. At the lower end of the floating columns a circumferential ringcable shorts the traction at the top of the columns via brackets. The columns together with the circular thrust ring appear similar to a “tiara”, floating above the courtyard.
2006 Membranen, Sonderkonstruktionen, Wandelbare Dächer